Was sollte ich bei der Abstimmung vom Pfeil auf den Bogen,
beim intuitiven Bogenschiessen beachten?

Grundsätzlich gilt: Ein Schütze kann mit einem mittelmäßigen Bogen und einem sehr gut abgestimmten Pfeil besser schießen als ein Schütze mit einem sehr guten Bogen und einem mittelmäßig abgestimmten Pfeil.

Ist ein Bogen gut getillert? Werfen seine Arme gerade nach vorne und lassen sich nicht zu leicht verdrehen? Hat er eine zweckmäßige Pfeilauflage oder Shelf? Passt der Griff zur Hand des Schützen? Stimmen die Standhöhe und der Nockpunkt? So ist die Grundlage für einen erfolgreichen Schuss egal ob mit Langbogen oder Recurve gelegt. Zweckdienliche Anfänger Bogen gibt es ab ca. 200 € aufwärts. Je nach Verarbeitung und Wertigkeit kann der Anfänger auch schon 400 € aufbringen.

Was aber auf keinen Fall vernachlässigt werden sollte,
ist die Auswahl und damit auch die Qualität des Pfeiles.

 

Pfeil und Bogenbau bei Abenteuer lernen gGmbH aus Köln

Spinewert Messgerät von Bear Paw zum Bauen von individuellen Holzpfeilen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Abstimmung sollte unbedingt einem Fachmann
überlassen werden und keinesfalls im Netz selbst, per
Schnellschuss getätigt werden.

Natürlich ist aber auch jedem überlassen sich hier tiefer einzuarbeiten und seine Pfeile selbst zu fertigen.
Literaturempfehlungen wären:
“Das große Pfeilebuch” von Vorderegger und Meine oder
“Bogenschiessen, Ausrüstung und Zubehör selbst gemacht” von Hübschmann.

Bitte stellen Sie Ihre Ausrüstung aber auf keinen Fall nach dem Motto zusammen: Ein teurer Bogen wird es schon richten!

Auch im 3D Bereich und bei längeren Distanzen auf dem Feld (im Schulungsbereich) nimmt die Bedeutung des Pfeil und seinem Tuning zu.
Die bedeutendsten Faktoren sind hierbei:

  • Individuelle Auszugslänge
  • Bogenstärke
  • Härte der Pfeile (Spine)
  • Spitzengewichte
  • Beschaffenheit der Sehne
  • Beschaffenheit des Bogens (Mittelschnitt/Centercut)
  • Befiederung
  • FOC (Front of Center)

 

Die Auszugslänge:

Sie wird vom Nocken Boden bis zum Ende des Bogens bei vollem Auszug gemessen und im englischen Maß Zoll angegeben. Zu beachten ist hierbei dass der Anfänger oftmals noch wenig Rückenspannung einsetzt und noch nicht  ganz in das Körper-T kommt. Es ist also zu erwarten, dass sich die Auszugslänge bei fleißigen üben dann auch schnell ändert. Zu kurz gewählte Pfeile können hier gegebenenfalls auch nur kurz Spaß bereiten. Die Auszugslänge wirkt sich direkt auf die Biegesteifigkeit des Pfeiles aus. So brauchen zwei unterschiedlich große Personen, die in genau den gleichen Stil, den gleichen Bogenschießen wahrscheinlich verschiedene Pfeile. Diejenige Person die den Pfeil weiter auszieht lässt größere Hebelverhältnisse auf den Pfeil wirken. So verhält sich der Pfeil bei jemanden der länger auszieht weicher. Das heißt, dass dieser Mensch im Verhältnis zu einem Schützen der kürzer auszieht einen härteren Schaft benötigt.

Daumenring und Sehenwinkel

Die Bogen Stärke:

Desto härter der Bogen ist, desto größer also die Pfundzahl, desto steifer und härter muss auch der Pfeilschaft sein. Wird der Schaft eines Pfeiles im Verhältnis zum Bogen zu weich gewählt, zieht dieser beim Rechtshand schützen nach rechts zu weit am Bogen vorbei. Wird der Pfeil im Verhältnis zum Bogen zu hart gewählt wird dieser beim vorbeigleiten am Bogen zu weit von diesen nach links abgestoßen und landet auf der Zielscheibe eher dort.

Spinewert der Pfeile:

Bei Carbonpfeilen bedeutet eine höhere Zahl einen weicheren Spine. So ist ein 1300 Spine z.b. optimal für einen Schützen der 28 Zoll auszieht und einen Bogen um die 22 Pfund schießt (Sehnenart und Schnitt des Bogens unberücksichtigt). Beim Holzpfeil verhält es sich anders herum. Hierbei bedeuten höre Spinewerte einen härteren Pfeil. Der Spinwert ist der grundlegendste Wert beim Pfeilebau. Hierfür gibt es je nach Hersteller individuelle Tabellen. Bei diesen Tabellen werden dann jeweils die Pfund Zahl und Auszugslänge mit berücksichtigt.

Bogensport Bogenbau Abenteeuer LernenFoto: Spinewertmessgerät aus unserer Werkstatt

 

Spitzen Gewichte:

Die Gewichte der Spitze liegen in der Regel zwischen 30 und 125 grain. Das variieren der Spitzen Gewichte bei Schraubspitzen ermöglicht ein Feintuning ohne den Pfeil gänzlich zu wechseln. Hierbei verhält sich ein Pfeil mit einer schwereren Spitze beim Lösen und somit beim Anschieben etwas träger und deshalb etwas weicher als ein Pfeil mit einer leichteren Spitze.

Bogensport-Materialverkauf-Abenteuer-Lernen-Koeln

Bogensport-Materialverkauf-Abenteuer-Lernen-Koeln

Die Sehne:

Sehnen die sich wenig dehnen wie Whisper String, Fast Flight, Spectra, Dynaflight oder Excel üben mehr Kraft auf den Pfeil aus als herkömmliche Dacron Sehnen. Deshalb kann es sein das man hierbei ca. 5 Pfund vom tatsächlichen Zuggewicht zur Einschätzung des Spinewertes in der Tabelle abziehen muss.

Beschaffenheit des Bogens:

Pfeile die über einen Bogen mit Mittenschnitt (Centercut) geschossen werden müssen sich nicht so weit um den Bogen herum winden. Deshalb können diese Pfeile im Vergleich zu Pfeilen die über einen traditionellen Bogen geschossen wie z. B. bei dem der Pfeil auf der Hand aufliegt härter sein. Hierbei kann man in der Spinewert Tabelle oftmals fünf Pfund zum tatsächlichen Zuggewicht hinzurechnen.

Bild von Lars Andersen Bogen Falco Langbogen in Europa hergestellt bei Abenteuer Lernen in Köln

Falco Langbogen in Europa hergestellt bei Abenteuer Lernen in Köln

Befiederung:

Grundsätzlich dient die Befiederung zur Ausrichtung des Pfeiles in der Flugphase. Das heißt das die einströmende Luft stärker an der Seite des Pfeiles wirkt die mehr Widerstandsfläche bietet. So wird der Pfeil ähnlich wie bei einem Fallschirm gerade eingebremst.

Desto kürzer die Distanz ist und desto geschützter die Umgebung (z.b. Halle), desto größer kann auch die Befiederung sein. Grundsätzlich kann ich auch eine größere Befiederung bei einem Pfeil wählen der mehr Energie mit sich trägt. Pfeile die über eine längere Distanz fliegen sollen brauchen weniger Widerstand und somit kleinere Befiederungen. Außerdem gilt: Desto zielgerichtete der Löseimpuls des Schützen ist, desto kleiner kann die Befiederung sein.

Die gebräuchlichsten Federlängen sind 3, 4 und 5 Zoll. Einige Bogen Fachleute legen auch Wert darauf die Befiederung schief auf den Schaft aufzubringen. So soll der Schaft beim Flug in Rotation versetzt werden um sich schneller zu stabilisieren.

Stefan Raab Nördlingen auf Paderbow 2018

FOC (Front of Center):

Ein bedeutender Faktor kommt auch der Schwerpunktlage des Pfeiles zu, dem FOC.

Dieser Wert beschreibt wie viel Prozent der ausbalanciert Schwerpunkt, vor der geometrischen Mitte beim Pfeil liegt.
Er verdeutlicht, wie der Pfeil in der Luft liegt und somit für welchen Bereich er verwendet werden kann.

 

Graphik_zur_Ermittelung_des_FOC_von_Abenteuer_Lernen_Koeln

 

Zur Ermittlung des FOC braucht man:

A = Die exakte Länge des Pfeiles vom tiefsten Punkt der Nocke bis zum Schaft an der Spitze.

B = Den Abstand vom tiefsten Punkt in der Nocke, bis zum Balancepunkt. Der Balancepunkt des Pfeiles wird hierbei ausgewogen indem er auf einen scharfkantigen Gegenstand ausbalanciert wird.

 

                       100 x (B – (A/2))
F.O.C. % =  _________________

                                A

 

Bezüglich der idealen Lage des Schwerpunkt gibt es verschiedene Meinungen.

Je nach Art des Bogenschießens könnte dies sein:

  • 3D Bereich: 6 bis 12%
  • Feldschiessen: 10 bis 15%
  • Turnier Sport und Schulungsbereich:15 bis 17%
  • Jagd: 17 bis 20 %

Türkische Pfeile sollen im Mittelalter sogar einen Schwerpunkt vor dem Mittelpunkt des Pfeiles gehabt haben um so möglichst weit zu fliegen. Diese Besonderheit dient eine möglichst weiten Pfeilflug. Sie findet ihr jedoch ihr Ende, wenn der Pfeil rücklings in Richtung Boden gezogen wird.

Wesentlich bei der Wahl der Pfeile ist:

Jeder Pfeil sollte (bei einem passenden Spinewert) ungefähr den selben Schwerpunkt besitzen und das Gewicht der Pfeile sollte ebenfalls ungefähr gleich sein.

Bei Holzpfeilen sollte die Gewichtsabweichung maximal 15, besser noch 10 grain betragen.

 

Ein dünnerer Fall verliert im übrigen bei der Beschleunigungsphase weniger Energie als ein dicker, weil er sich nicht so stark um den Bogen herum biegen muss. Auch deshalb greifen immer mehr Schützen gerne zu Slimline Pfeilen. Der Schütze nimmt die erhöhte Anfangsgeschwindigkeit hier deutlich war. Diese Wahl findet ab einem bestimmten Pfund Zahl des Bogens allerdings seine Grenze, da der Pfeil die ihm mitgegebene Energie nur über seine Masse speichern kann. Es kann also sein dass ein zu dünner Pfeil die große Energie eines starken Bogens nicht mehr ganz speichern kann und sich dadurch in der Luft nervös anfängt zu bewegen.

Hier gilt: E (kin) = 1/2 m x V²

Die mitgegebene Energie kann ein dünner Pfeil nur bis zu einem gewissen Grad zielgerichtet speichern.

So sorgfältig wie hier beschrieben gehen wir den Bau unserer Kundenpfeile an!