Was ist der Flow beim intuitiven Bogenschießen und wie erreiche ich ihn?

Ist es ihnen auch schonmal passiert, dass sie so vertieft in eine Sache waren, dass sie Raum und Zeit komplett vergessen haben?
Sei es beim Sport, Kochen oder bei anderen Hobbys, manchmal vergisst man ganz, was um einen rum passiert.
Diesen Zustand nennt man den Flow. Sportler beschreiben es als die volle Kontrolle über ihre Handlungen, ohne sich anzustrengen
und der Aktivität seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Intuitives Bogenschießen bei der Outdoor Freizeit mit Abenteuer Lernen gGmbH

Meditatives Bogenschießen in der Natur

Der FLOW:

In diesem Moment gehen wir voll in der Sache auf, die wir gerade ausüben und fühlen uns beseelt, leicht euphorisch.

Sport – im Flow – kann eine Glücksstrategie sein.

Der Sport verlockt uns ganz in der Bewegung zu versinken, weil wir instinktiv spüren (und wissen), dass ES (die Bewegung) so meist besser funktioniert.

Beispiele für automatisierte Bewegungsabläufe, neben dem Sport, nach denen man sich auch höchst zufrieden fühlt:
1. Gartenarbeit
2. Buchlesen
3. Sexuelle Begegnungen
4. Religiöse Erfahrungen

Als einer der ersten hat diesen Zustand der Ungar Csíkszentmihályi an Malern, Chirurgen (bei der OP) und Sportlern erforscht.

Vorstufe Achtsamkeit:

Wenn wir sehr fein mit unserem Körper sind … und zum Beispiel, selbst unsere Atmung spüren können … verstärkt sich unsere Aufmerksamkeit. Und wir bekommen mehr und mehr das Gefühl, uns zu verlieren. Wir werden völlig in Anspruch genommen, sodass sich die Peripherie um uns herum ausschaltet.
In der Achtsamkeit kann man (im Gegensatz zum Flow) einen noch wechselnden zentralen Wahrnehmungsfokus haben.

Bogenschießen Angebot Köln

Schützin im Flow

Was fühlen wir?

1. Wir verlieren uns komplett in der Tätigkeit, man verschmilzt praktisch auch mit seinen Arbeitsgeräten. Wir werden praktisch eins mit Pfeil und Bogen.

„Become the arrow“ Byron Ferguson

2. Die Bewegungen laufen wie selbstverständlich, unangestrengt und automatisiert ab.
3. Ich erreiche die für mich bestmöglichen Leistungen – top Leistungen.
4. Es stellt sich eine Ausdehnung des Zeitempfindens ein.

 

In der Absorption,

ist unsere Aufmerksamkeit dann hingegen ganz von der Tätigkeit gefangen:
Die Absorption, ein Ausdruck aus der Körperpsychotherapie:
1. Pathologische Absorption (z. B. Schmerzpatienten)
2. Grübeln (zwanghafte Gedankenketten)
3. Abhängigkeit (z.B. Spielsucht)
4. Kreative Absorption = Flow
Wir verlieren den Kontakt zur Welt und hören vielleicht sogar das klingelnde Telefon nicht mehr.

Im Sport ist der Flow ein meditativer Zustand, der unversehens auftritt und nicht an bestimmte Sportarten gebunden ist.
Im Flow denke ich nicht über die Aktivität nach, ich bin die Bewegung.
Man vergisst Raum und Zeit, und vieles um sich herum.
Wir vergessen sogar uns selbst, unsere Selbstbewusstheit, jedoch verlieren wir nicht unsere Selbstwahrnehmung.

Warum fühlen wir den Flow?

Alles, was mit Fühlen, in unserem Körper zu tun hat, hängt mit Hormonen zusammen, sei es Angst, Stress oder Glück.
Doch wie sieht das bei Flow aus? Vor allem, wenn der Flow ein so komplexer und schwer zu fassender Zustand ist.
Der Zustand des Flows lässt sich – um eine bessere Vorstellung von ihm zu bekommen – in vier Phasen einteilen.
Jedoch variiert dies bei jedem Menschen und die Phasen des Flows fühlen sich anders an.

 

Phase 1: Anstrengung

Um überhaupt die Möglichkeit zu haben, in den Flow zu kommen, muss man sich völlig der Sache hingeben.
Und das kostet Ausdauer, Kondition und Konzentration. Damit ist gemeint, man muss sich einen Fokus aufbauen
und alles um einen herum ausblenden. Hier spielen die Trägheitshormone wie Melatonin und Insulin eine wichtige Rolle,
sie machen einen träge und erschweren den Einstieg in den Flow.

Phase 2: Entspannung

Die letzte Phase vor dem eigentlichen Flow Zustand, man kommt runter und entspannt sich.
Vollkommende Konzentration für sich und die Aktivität. Störgedanken schwinden und
die Konzentration steht nun ganz im Vordergrund. Das Stresshormon Cortisol lässt nach und die
Glückshormone, wie z. B. das Serotonin stabilisieren sich, was die Flowphase einleitet.

Phase 3: Flow

Man fühlt sich zufrieden und besitzt gleichzeitig völlige Konzentration.
Das Besondere am Flow: Eine Homöostase, einen perfekten Ausgleich zwischen Stress-
und Glückshormonen. Das steigert die Leistung in der Aktivität oder im Sport.

Phase 4: Erholung

Nachdem der Flow vorbei ist, fühlen wir uns oft leer. Wir erleben einen: „Flow-Kater“
Jedoch fühlt man sich nicht schlecht, sondern im Gegenteil es ist sehr angenehm, denn nach dieser
Überstimulation des Hormonhaushalts steigt auch das Serotonin und übertönt das geringe Cortisol.
Zusammengefasst fühlt man sich nach der Aktion, ruhig und angenehm müde.

Pause vom Bogenschießen: Flow, Trance, Meditation oder Power Nap?

„Der Mensch kann nicht denken & fühlen gleichzeitig.“
Alan Fogel (Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie)

 

Jetzt fragen wir uns natürlich:

Wie kommen wir mit Absicht in den FLOW?

Wie schaffen wir es, mithilfe des Bewusstseins,
in einen unbewussten Zustand zu kommen.

Ganz einfach: Gar nicht. Wir bekommen ihn nur, wenn wir ihn nicht wollen!
Im Gegenteil, wir müssen das Nachdenken loslassen, um in einen Zustand absichtsloser Gespanntheit kommen.
Warum?

„Es ist psychologisch unmöglich, gleichzeitig bewusst zu spüren und in Worten zu denken.“Alan Fogel, Psychologie Prof. Universität Utah



Buch: „Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie“

Die Eifler Schießtage auf dem Beuerhof in der Eifel mit Abenteuer lernen aus Köln

Wir konzentrieren uns ganz auf hilfreiche Bedingungen, die wir über den organisatorischen Rahmen schaffen können, um in den Flow zu kommen:

  • Bewegungsanspruch muss fordernd/anspruchsvoll, aber nicht überfordernd sein. Also Recht individuell.
  • Es ist von Vorteil, wenn die Bewegung bereits weitestgehend automatisiert ist.
  • Die Bewegung kann mich, unabhängig von der am Ende objektiv erbrachten Leistung, glücklich stimmen.
  • Wir müssen uns selbst loslassen.

 

Es kann also durchaus die Bewegung und nicht das Ergebnis im Vordergrund stehen.
Bezeichnenderweise hat man im Zustand des Flows ein Befriedigungsgefühl anstatt ein Glücksgefühl.
E
rst, wenn ich die Aktion beendet habe und ich aus dem meditativen Zustand wieder erwache, empfinden wir sehr hohe Zufriedenheit.

 

Und hier noch was für unser Mindset!

Bei der gut tuenden sportlichen Aktivität, die nicht hochintensiv ist, wird Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin abgebaut.
Den emotionalen Stress kann ich auch verändern, indem ich meine Gedankenwelt verändere.

Wie interpretiere ich die auf mich zukommende Aufgabe?
Durch welche Gedankenmuster setze ich mich selber unter Druck?

Positives, sich selbst zureden, neutrale visuelle Eindrücke, und die Achtsamkeit mit ihrem Konzentrationsanker Atmung helfen.

 

 

QUELLEN:

Spoho-Podcast mit Prof. Jens Kleinert
„Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie“, Alan Fogel, Verlag: Schattauer
„ZEN in der Kunst des Bogenschießens“, Eugen Herrigel, Verlag: O.W. Barth
„Gesund durch Meditation Das große Buch der Selbstheilung“, Jon Kabat-Zinn, Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
„Become The Arrow“, Bryan Ferguson, Verlag: Vorderegger Bogensportverlag

Ps.
Wir können, als TrainerInnen versuchen den Teilnehmern zu erklären, was Ihnen hilft in den Flow zu kommen.
Wir sollten Ihnen allerdings nicht erklären, was Sie nicht tun sollen, weil sie sonst erst recht darüber nachdenken.
… sonst ist dies eine unterbewusste Aufforderung, es doch zu tun.