Kopf frei beim Bogenschießen – ÜBEN FÜRS LEBEN
Zusammenfassung des Workshops. „Kopf frei“ 2026 Bogenfestival von Gert Ott
Der denkende Kopf ist gut. Er gibt uns Sicherheit und Orientierung. Er plant, entscheidet, leitet uns. Versucht er aber die großen Themen des Lebens zu lösen – Ängste, Tod, Verletzungen, Liebe –, ist er schnell überfordert. Dann wird er zur Last. Denn für solche Themen gibt es keine schnelle, logische Lösung. Wenn der Kopf trotzdem unaufhörlich nach einer Antwort sucht, kann aus hilfreichem Denken belastendes Grübeln mit Scheibenpanik werden. Achtsames intuitives Bogenschießen, wie wir es bei Abenteuer Lernen üben, ist der Weg, Gedanken um das Unlösbare zu beruhigen, den Kopf zu befreien.
„KOPF FREI“ IST EINE LOSLASS-ÜBUNG
Durch achtsames intuitives Bogenschießen helfen wir bei Abenteuer Lernen dem Kopf, Aufgaben loszulassen, mit denen er überfordert ist. Damit er nicht weiter end- und sinnlos um sie kreist, lösen wir uns von Fragen, die wir in diesem Moment nicht klären können. Das ist eine Loslass-Übung, die wir beim Bogenschießen verinnerlichen. Denn auch hier ist das Loslassen der Sehne, die Art, wie und wann wir es tun, ein entscheidender Moment.
LOSLASSEN UND LÖSEN BEGINNT MIT BEWUSSTEM SPÜREN
Damit wir die Sehne gut freigeben, müssen wir sie bewusst wahrnehmen. Wer Bogen, Sehne und seinen Körper nicht richtig spürt, kann nicht sauber lösen und daher nicht gut schießen. Ähnlich ist es mit belastenden Gedanken und Gefühlen. Was wir verdrängen oder nicht richtig wahrnehmen, lässt sich nur schwer loslassen. Der erste Schritt besteht deshalb darin, bewusst Kontakt damit aufzunehmen, ohne sich darin zu verlieren. Achtsamkeit, Bewusstheit und das umfassende Im-Moment-Sein, das wir bei Abenteuer Lernen beim intuitiven Bogenschießen praktizieren, ist dafür die Grundlage.

Einen Langbogen oder ein Hybrid mit relativ undefiniertem, geradem Griff drücke ich tiefer. Deshalb hat er oft einen höheren Tiller — das heißt, der untere Wurfarm ist stärker gebaut als bei einem Recurve — weil meine Griffhaltung ihn stärker belastet.
„KOPF FREI“ IST NICHT GEDANKENLOS
Wir können nicht verhindern, dass unser Kopf denkt. Auch Gefühle, gerade die unangenehmen, können und sollen wir nicht ignorieren. Aber wir können üben, uns nicht damit zu identifizieren. Gedankenlosigkeit, die Freiheit von Gedanken, ist nicht das Ziel von achtsamen intuitivem Bogenschießen.
Der Kopf arbeitet, er kann nicht anders, dafür ist er da.
Von unserem Umgang mit Themen beim Bogenschießen kann unser Kopf lernen, wie er auch mit den großen Themen des Lebens gelassen umgehen kann.
EIN BOGENTHEMA – UND NUR EIN BOGENTHEMA
Es gibt etliche Aspekte, an denen wir bei jedem Bogenschießen neu arbeiten können, am Stand, an der Handhaltung, am Atemrhythmus, am Anker, an der Rückenspannung, am Release und vielem mehr.
Für eine achtsame Übung ist es hilfreich, den Fokus vorübergehend zu begrenzen.
Wir wählen nur eines dieser Themen aus, wenn wir mehrere Passen schießen und fokussieren explizit darauf. Wir beobachten unser Bogenthema, ohne daran zu arbeiten und ohne es zu bewerten. Auch das Bewerten beobachten wir nur. Damit üben wir die Blaupause für den Umgang mit unseren anderen Kopf-Themen – indem wir sie in Einzelaspekte aufteilen, sie beobachten und uns nicht mit ihnen identifizieren.
DIE LÖSUNG KOMMT OHNE ZWANG
Und sucht unser Kopf dennoch weiter nach einer Lösung für die großen Themen, lernen wir auch das beim Bogenschießen: Aushalten und wissen, dass das Lösen von alleine kommt. Denn vor dem Schuss halten wir den Bogen ins Ziel, ziehen die Sehne aus und erst wenn wir die volle Rückenspannung erreicht haben, kommt das Lösen von alleine. Wir spüren und lernen, dass wir das Lösen nicht erzwingen können.
Es kommt aus uns, aus unserer Intuition. Es kommt, wenn alles stimmt, wenn wir in idealer Verbindung mit uns, unserem Körper und unserem Bogen sind.

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DIE PASSENDE HERAUSFORDERUNG: ACHTSAMES BOGENSCHIEßEN
Auch die stetige Arbeit unseres Kopfes können wir beobachten und realisieren: Es sind nur Gedanken und Gefühle, es ist nicht die Realität, nicht die Wahrheit. Die Lösung unserer großen „Lebens-Themen“ kennen wir nicht. Dafür wird der Kopf auch keinen Ausweg finden, denn er ist hier nicht zuständig. Das auszuhalten und ihn zu beruhigen, ist nicht leicht. Was hilft, resilienter zu sein, ist, Körper und Geist mit etwas zu beschäftigen, das guttut und angenehm fordert. Hilfreich ist eine Übung wie das achtsame intuitive Bogenschießen, das:
- weder langweilig noch überfordernd ist,
- spürbar beruhigt,
- Aufmerksamkeit bindet,
- direktes Feedback gibt,
- sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht.
DAS KANN ACHTSAMES INTUITIVES BOGENSCHIEßEN
Achtsames intuitives Bogenschießen hilft dabei, den Blick zu öffnen für das, was gerade da ist, auch für das Gute im Schwierigen.
Wir schießen und beobachten dabei, was da ist, ohne es zu bewerten. Intuitives Bogenschießen bezieht den ganzen Körper ein. Es geht nicht nur um technische Einzelheiten, sondern auch um Körpergefühl, Erfahrung, Wahrnehmung und unbewusste Bewegungsabläufe. Achtsames intuitives Bogenschießen ist so eine öffnende, überschaubare und individuell anpassbare Beschäftigung für den Menschen als Gesamtsystem, in das auch der immer denkende Kopf integriert werden kann und zur Ruhe kommt.

Die Weite der Vulkaneifel
FAZIT: WAHRNEHMEN, ANNEHMEN, LOSLASSEN
Achtsames intuitives Bogenschießen in der Schule von Abenteuer Lernen ist mehr als Technik und Trefferbild und auch mehr als Meditation und Aufmerksamkeit. Es ist eine Möglichkeit, Resilienz zu erreichen, Körper und Geist in Einklang zu bringen, den Kopf zu beschäftigen, Gedanken bewusst wahrzunehmen und das Loslassen zu lernen.
Ein „freier Kopf“ bedeutet Distanz zu den eigenen Gedanken und Gefühlen. In unserem achtsamen intuitiven Bogenschießen werden wir nicht frei von Gedanken, sondern wir machen uns frei für die Realität, wie sie ist, ganz ohne Interpretation und Bewertung. Genau wie wir beim achtsamen intuitiven Bogenschießen unseren Körper und den Bogen in seiner Gesamtheit bewusst spüren, lösen wir die Sehne unbewusst, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.
Wir nehmen wahr, nehmen an und lassen los, bei unserem Bogenschießen, (wie vielleich ja auch bei unseren Lebens-Themen).

Autor: Karsten Deike
ins Layout gebracht von Lisa Sabbatino